Orgel-Geschichte

an St. Maria Thalkirchen

Seit Mai 2025 ist unsere Orgel aufgrund eines technischen Defekts außer Betrieb und bedarf einer umfassenden Sanierung. Dies gibt Anlass, auf die lange und bedeutende Geschichte der Orgeln in Thalkirchen zurückzublicken.

Die „Alte Thalkirchner Orgel“ gilt als die älteste erhaltene Kirchenorgel Bayerns. Mit ihr beginnt im frühen 17. Jahrhundert die nachweisbare Geschichte der Orgeln in Thalkirchen; bereits vor ihrem Bau um 1630 ist an diesem besonderen Wallfahrtsheiligtum eine rege kirchenmusikalische Praxis bezeugt.

Die Alte Thalkirchner Orgel gilt als die älteste erhaltene Kirchenorgel Bayerns. Sie wurde im Jahr 1630 von einem unbekannten Orgelmacher errichtet, vermutlich von dem in München tätigen Hans Lechner, der für zahlreiche Arbeiten in München und Oberbayern nachweisbar ist. Die Baukosten betrugen insgesamt 457 Gulden.

Bereits aus den Kirchenrechnungen von 1629/30 geht hervor, dass hier, am Wallfahrtsheiligtum Unserer Lieben Frau im Isartal  (St. Maria Thalkirchen), eine ausgeprägte Musikkultur bestand. Neben dem Organisten und Cantor werden dort auch weitere Sänger, Calcant (Balgtreter) sowie Stadtpfeifer erwähnt.

Nur wenige Jahre nach ihrer Fertigstellung wurde die Orgel während der Wirren des Dreißigjährigen Krieges schwer beschädigt. Eine Inschrift am Gehäuse berichtet davon und belegt zugleich den Wiederaufbau im Jahr 1636: »ALS MAN ZELT 1630 JAR, WAR DISE ORGL VON NEYEN GEMACHT ALTA, 1632 JAR, DURCH DIE SCHWEDEN VERHÖRT GANZ UND GAR A°, 1636, JAR WAR SIE WIDER AUFGERICHT WIE SI STET ALDA.«

Die Orgel und die Kirchenmusik in Thalkirchen waren eng mit dem Münchner Hof verbunden. Im Jahr 1656 gründeten Musiker des Hofes unter Johann Zeitlmaier das Marianische Ehr- und Zierdverbündnis. Ziel war es, den Wiederaufbau der Kirche zu unterstützen und insbesondere den Frauendreißiger musikalisch feierlich zu gestalten. Im Jahr 1754 wurde diese Gemeinschaft von Papst Benedikt XIV. zur Bruderschaft erhoben.

Im Zuge des Umbaus der Kirche durch Gabriel von Seidl (1907–1908) wurde die Orgel an das Deutsche Museum übergeben. Der Orgelbauer Franz Borgias Maerz machte dort die Alte Thalkirchner Orgel wieder spielbar und errichtete zugleich auf der neu geschaffenen Empore der Kirche eine neue Orgel für St. Maria Thalkirchen.

Heute zählt die Alte Thalkirchner Orgel zu den wertvollsten Exponaten der Musikinstrumentensammlung des Deutschen Museums. Weiterführende Informationen sowie ein kurzes Hörbeispiel der Orgel finden sich auf den Seiten des Greifenberger Instituts.

Manual C/E-c3         PedalC/E-b°
Flauten 8' Subbas 16'
Principal 4' Octavabas 8'
Copel 4' Quintbas 5 1/3'
Octav 2'
Mixtur 3f. 1'
Cimpel 1/4'

Im Zuge der Erweiterung der Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Maria Thalkirchen durch den Kuppelwestbau des Architekten Gabriel von Seidl in den Jahren 1907 bis 1908 wurde auch die kirchenmusikalische Ausstattung neu geordnet und konzeptionell weiterentwickelt.

Für die neu geschaffene Empore errichtete der Orgelbauer Franz Borgias Maerz ein neues Orgelwerk. Das Instrument umfasste vermutlich rund 24 Register; die genaue Disposition ist nur in Teilen überliefert und wird daher als rekonstruiert bzw. erschlossen angegeben.

Dieses Orgelwerk soll das Herzstück der geplanten Reorganisation der neuen Orgel bilden; die bis heute erhaltenen Pfeifen dieses Instruments sowie ihr charakteristischer, klangprägender Ton sollen dabei in besonderer Weise bewahrt werden und den Klang der neu hinzukommenden Pfeifen maßgeblich prägen.

I. Manual         II. Manual         Pedal       
Bordun 16‘ Geigenprincipal 8‘ Principalbaß 16‘
Principal 8‘ Gamba 8‘ Subbaß 16‘
Tibia 8‘ Lieblich Gedackt 8‘ Oktavbaß 8‘
Gambe 8‘ Salicional 8‘ Cello 8‘
Gedeckt 8‘ Vox coelestis 8‘ Posaune 16‘
Dolce 8‘ Aeoline 8‘
Oktav 4‘ Fugara 4‘
Flöte 4‘ Traversflöte 4‘
Mixtur 2 2/3‘ Cornett 2 2/3‘
Trompete 8‘

Koppeln: II-I, II-P, I-P, Super II, Super II-I, Sub II, Sub II-I

Im Jahr 1928 wurde die Orgel durch den Münchner Orgelbauer Leopold Nenninger erweitert und auf 29 Register ausgebaut.

Während des Zweiten Weltkriegs erlitt das Instrument im Jahr 1943 erhebliche Schäden. Nach dem schweren Luftangriff der Royal Air Force vom 7. September 1943 im Rahmen der Luftangriffe auf München, der die Zivilbevölkerung schwer traf und einen tiefen Einschnitt in das Leben der Gemeinde bedeutete, brannte das Pfarrhaus bis auf die Grundmauern aus; das gesamte Pfarrarchiv ging dabei verloren.

Durch das infolge des Angriffs zerstörte Kirchendach drangen zunächst Löschwasser und später auch Regen in die Orgel ein, wodurch insbesondere der Blasebalg sowie die Luftdichtungen schwer beschädigt wurden. Leopold Nenninger wurde 1943 mit der Instandsetzung und Erweiterung auf 30 Register beauftragt, um die Spielfähigkeit wiederherzustellen. Ein zeitgenössischer Bericht vom 18. November 1943 dokumentiert den Zustand und die notwendigen Reparaturen in der Stadtpfarrkirche St. Maria Thalkirchen.

Ab 1954 wurden verschiedene Pläne und Angebote für einen weiteren Umbau und eine Erweiterung der Orgel entwickelt. Diskutiert wurden unter anderem das Anheben der Stimmtonhöhe, ein drittes Manual, ein Schwellwerk sowie ein Fernwerk im Oratorium, die jedoch in dieser Form nicht vollständig umgesetzt wurden.

Im Jahr 1970 erfolgte ein technischer Neubau der Orgel unter Verwendung vorhandenen Pfeifenmaterials durch die Firma Carl Schuster & Sohn. Dabei wurde das Instrument auf drei Manuale und 31 Register erweitert und mit elektrischen Schleifladen ausgestattet.

Am 7. Mai 2025 musste die Orgel aufgrund eines gravierenden technischen Defekts endgültig außer Betrieb genommen werden.

Damit endete vorerst die klangliche Nutzung eines Instruments, das über Jahrzehnte hinweg das kirchenmusikalische Leben in St. Maria Thalkirchen geprägt hat.

I. Manual         II. Manual
(Hauptwerk) C-g3 (Schwellwerk) C-g3
Quintadene 16' (ursprünglich 8') Gedackt 8'
Prinzipal 8' Weidenpfeife 8'
Spillpeife 8' Prinzipal 4' (ursprünglich Fugara 4')
Oktave 4' Querflöte 4'
Rohrflöte 4' Quinte 2 2/3'
Waldflöte 2' Nachthorn 2'
Mixtur 5f 2' (nur 4f. ausgeführt) Terz 1 3/5' ab f°
Trompete 8' Scharff 4f 1'
Oboe 8'
Tremulant
.
III. Manual  Pedal 
(Oberpositiv) C-g3 C-f1
Gedacktflöte 8' Prinzipalbaß 16'
Hohlpfeife 4' Subbaß 16'
Prinzipal 2' Oktavbaß 8'
Kleinquinte 1 1/3' Gedacktpommer 8'
Sifflöte 1' Choralflöte 2f 4'
Zimbel 3f 1/2' Pedalmixtur 4f 2 2/3'
Schalmei 4' Bombarde 16'
Tremulant

Koppeln: II-I, III-I, III-II, III-P, II-P, I-P

2 freie Kombinationen, 1 freie Pedalkombination, Automatisch umschaltendes Pianopedal, Tutti, Registercrescendotritt, Handregister zur Walze, Koppeln Zur Walze, Zungengeneralabsteller, Zungeneinzelabsteller, Man 16'-Ab

Orgelbauer Rudolf Kubak, Augsburg
Opus 7 - 8. Jan. 1965

ManualC-f3 PedalC-f1   
Copel 8' Pommer 16' (Zunge)
Fluet 4'
Principal 2'
Quint 1 1/3'
Sesquialter 2f. ab b°

Koppel: I-P

Hörbeispiel

- Infos folgen bald -


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